Mittwoch, 23. Mai 2012

Uni-Impression aus Regensburg

Inzwischen hat sicher wohl jeder und jede endlich von diesen – ach! – so wunderbaren Hochschulreformen gehört, mit denen sich die arme junge Generation von heute so rumschlagen muss. Ich sag nur: »Bologna«, ne? Und füge hinzu, mit fast 50 darf ich das:

»Buäh, aber nee aber auch: Diese Juuuugänt von heutä! Wenn ich das mal mit uns vergleiche, wir früher, ich mein, nein wirklich, also, ich mein, echt hey: Wiiiir früher dagegen, wir zu uuunserer Zeit ...! Nein, wirklich doch, wir damals: Wir wussten ja noch, wie man ordentlich studiert! Diese Leute jetzt aber ... Is doch so: Im Bus aufstehen und alten oder gebrechlichen Leuten ihren Platz anbieten, daas können sie, aber sonst ...?!«

Doch nachdem die Schulen auch inzwischen in Grund und Boden reformiert werden, ist es vielleicht gar nicht so schlecht, dass im Sinne der Bologna-Reformen immer alles auf englisch abgehalten wird. Mit Deutsch käm man nämlich wohl im Zweifel nicht weit, wie folgende Ankündigung zeigt.

Und woher die heutigen Studenten ausreichendes Englisches lernen bzw. gelernt haben mögen, um solchen Seminaren folgen zu können, finde ich ja vielleicht auch irgendwann noch raus.

Montag, 12. März 2012

Demographischer Wandel

In Zukunft, sagt man uns, werden mehr Menschen alt, pflegebedürftig und tüddelig werden, als wir uns heute vorstellen können. Mit andern Worten steigt der Bedarf an qualifizierten Pflegekräften; und das schafft Arbeitsplätze, und darüber freuen sich bestimmt die Gewerkschaften, die erst grade wieder, jedenfalls die diesbezüglich zuständige Sammelgewerkschaft ver.di, für bessere Arbeit auf die Straßen gehen bzw. streiken.

Damit das mit dem Wachstum auf diesem Markt aber auch ja wirklich klappt, werden jetzt schon Werbeveranstaltungen für mehr altersbedingte Tüddeligkeit angesetzt, die vor allem deren Vorteile ins rechte Licht rücken wollen, so wie z.B. letzten Herbst in Hamburg:



Damit aber nicht genug! Einfache, einmalige Reklametagungen reichen schließlich nicht, nachher hat man das Gelernte noch vergessen, bis es dann mal soweit ist! Um dem vorzubeugen, bietet die Universität Witten/Herdecke neuerdings einen ganzen Studiengang an, der die Bereitstellung ausreichender Mengen an Tüddeligkeit sicherstellen soll.



Wie sagte nämlich schon Marika Rökk, ihrerseits da bereits recht betagt, damals in der Fernsehwerbung: »Man kann nicht fräh genorg darmiht berginnörn!«

Samstag, 10. März 2012

Schlagzeilen zum Weltfrauentag

Nu war ja grad »Weltfrauentag«. Quasi die im Kalender zementierte Quoteregelung unter den Tagen. Anderwärts wird über Frauenquote an bestimmten Positionen heftig gestritten. Denn irgendwie muss man die Frauen doch endlich ans Arbeiten kriegen, denken sich manche Leute. Die zuständige Bundesministerin Schröder allerdings ist dagegen. Ebenso dachte an jenem Tag die »BILD« und machte nicht etwa eine Frau plötzlich zur Chefred., sondern schmiss am Weltfrauentag gleich alle Frauen für den bewussten Tag schlicht komplett raus:



Ob das nun emanzipatorisch der richtige Weg ist? Die Quote abzulehnen und stattdessen, Zeichen setzend, die Frauen überhaupt auszusperren? Aber hat man von der »Bild« eine andere Reaktion auf den Weltfrauentag erwartet? – Naja, egal, das mögen andere entscheiden, ich dokumentiere hier erstmal nur.

Ganz eigene Wege geht in dieser Frage ja die »ZEIT«, genauer gesagt ZEIT-Online: Hier werden die Männer kurzerhand einfach zu Frauen umdeklariert, um etwaigen Quotenforderungen entgegenzukommen:



Auf der andern Seite hat man im »Spiegel« lesen können, was den wahren Terror bezgl. der bekannten aus u.a. Funk und Fernsehen bekannten Schurkenterrordiktatoren ausmacht. Zumindest für einen dieser Leute hat man schon mal unfassbare Enthüllungen ausgegraben und ... äh ... enthüllt:



Nein, ist ja aber klar, solange diese welterschütternden Verbrecher neben allem sonstigen Getue, das die so tun, auch und sogar vor Sex nicht zurückschrecken, kann das mit dem Weltfrieden ja nichts werden!

Dienstag, 28. Februar 2012

Die Wahrheit über die GEZ

Die Neue Westfälische aus Bielefeld enthüllt auf ihren Online-Seiten, was sich mancher sicher schon lange gedacht hat ...:

Samstag, 18. Februar 2012

Hörspielregie

Hörbücher sind ja inzwischen sowas von »in«, da ist quasi grad das Ende von wech.

Dabei ist diese Idee gar nicht mal so neu, wir kennen wohl sicher alle noch unsere Hörspielplatten oder –cassetten z.B. von der Firma »Europa«, mit denen wir uns Literaturklassiker wie Enid Blyton oder Karl May einverleibten, wenn wir grad keine Lust zum Selber- oder irgendwelche Zubettbringer keine Lust zum Vorlesen hatten.

Möglicherweise kennen wir die sogar noch immer so auswendig wie damals (zumindest wenn wir uns anstrengen), als wir sie nach dem dritten oder vierten Hören synchron mitsprechen konnten, und haben zudem die wunderbar sonore Stimme von Hans Paetsch, der dabei irgendwie immer den »Erzähler« gab, ob nu bei »Hui Buh«, »Winnetou« oder »Hanni und Nanni« oder weißichwas, je nach Geschmack und Neigung halt, noch gut im Ohr ...

»Manche Leute sagen, es gibt Gespenster. Manche Leute sagen, es gibt keine Gespenster. Ich aber sage: Hui Buh ist ein Gespenst ...« Ewig schöne Zeile!

Grade wenn von Hans Paetsch gesprochen. Und damit sagt dieser »Ich« doch aber, dass es Gespenster gibt, zumindest dieses eine. Oder? Gibt sich aber dennoch den Anschein (»ich aber«), den zwei andern Vorstellungen eine dritte hinzustellen zu wollen ... Die doch aber gar nicht wirklich anders war? Oder doch? Warum sagt er das sonst, und warum grad so und mit dieser wunderbaren Stimme? -- Eine Welt voller großer Geheimnisse, die Literatur, einerseits sowieso schon, zweitens erst recht, wenn sie von solchen Leuten vorgelesen wird.

Hachjaa ...

Ich meinerseits hab damals meine – wie man das seinerzeit im Plattenladen in Ostfriesland führte – Märchenplatten ja geliebt wie nur was, und so unterschiedlich sie thematisch evtl. gewesen sein mögen, die allgegenwärtige Stimme von Hans Paetsch hat immer irgendwelche Vertrautheit suggeriert und Brücken geschlagen, die in ihrer Bildungswirksamkeit sicherlich nicht hoch genug zu schätzen sind.

Wobei die eigentlichen Hörspiele allerdings oft genug ziemlicher Schrott waren, der mich schon als Kind (?) immer mal wieder genervt hat. Nämlich, nee echt jetzt, lasst Schauspieler mal was auf eine Märchenplatte sprechen, da kommt mit Sichérheit einé falsché Bétongung bei raus. Jedènfalls keiné, die sich annähérnd wie gesprochéne Spraché anhört. Sondern eben immer wie »vorgelesen«. Da machste nix gegen, auch als Topschauspieler mit der besten Sprechausbildung nicht.

Jedenfalls zusätzlich nicht, wenn der »Regisseur« so einer Veranstaltung kein Sprach- und Textgefühl hat und den Vorlesérn falsché Vorgabén aufgíbt, z.B. weil er falsche Akzente für dramaturgisch grad wichtig hält, des Effekts wegen. Oder weil er eben sonstwie zu blöd ist und keine Ahnung von Sprache hat. Und das, soll heißen: solche Regisseure gibts ja viele hinter der Studioscheibe.

Só einen »Régisseur« für konsérvierté Textprodúktion vom Band hat übrigens neulich wohl auch die Bahn unter Vertrag genommen, um die automatisierten »Hinweise« herzustellen, die auf jedem Bahnhof gleich klingen und je eigene Sprecher per Knopfdruck einsparen sollen:

»Hinweis: Das Rauchen im Bahnhof ist nur in den gekénnzeichneten Raucherbereichen gestattet!«

Und in den úngekennzeichneten Raucherbereichen demnach also nicht, nein? – Mirrochegal, Raucherbereich ist schließlich Raucherbereich, da steht mir Semantik höher als Hausordnung, und also werde ich auf die tote Bandansage pfeifen und auch weiterhin in den dann halt nicht gekennzeichneten Raucherbereichen am Bahnsteig mir meine Wartezigarette anmachen. Ätsch!

Denn schließlich (die Bahn beschäftigt nämlich nicht nur schlechte Hörspielregisseure, sondern offenbar auch möglichst billige Texter) steig ich ja auch nicht jedes Mal aus dem Zug aus, nur weil mich irgendein »Zugchef« in offenbar ebenfalls standardisiertem Argot, den er über die zuginterne Ansagetechnik vorlesen muss, rauswerfen will: »Wir erreichen in wenigen Minuten den Bahnhof Wasweißichdennwo. Wir verabschieden uns von Ihnen und wünschen noch einen schönen Tag. Vielen Dank für Ihre Reise mit der Deutschen Bahn, aauuuufff Wiedersehn! Ausstieg in Fahrtrichtung links ...«

Nee, Kerle, da bleib ich trotzdem in meinem ICE sitzen, bis ich dann aussteige, wo es mir passt!

Doch, stimmt schon: Manchmal kann ich ganz schön trotzig sein!

Sonntag, 29. Januar 2012

Alte Witze

Ums gleich zu sagen: Neue Witze gibt es nicht, es gibt immer nur Leute, die die alten noch nicht kennen.

Was ja aber nicht bedeutet, dass die alten Witze nicht gelegentlich irgendwelcher Variation unterzogen würden. Ein alter Witz, den ich weiland als Kind in einem Witzesammelbuch aus der Stadtbücherei »neu« kennen lernte und vielleicht sogar witzig fand (vielleicht war ich damals auch schon mehr Pubertant als Kind, ich weiß das nicht mehr genau), ging ungefähr so:

Ein Arbeitsloser kommt deprimiert aus dem Arbeitsamt (wie es damals noch hieß) und heult sich überm Bier (oder so oder wo) bei einem Freund aus: Es habe da wohl vielleicht was für ihn gegeben, nur suchten die in der betreffenden Firma Leute beiderlei Geschlechts. »Und wer hat das schon?!«

Humanistisch gebildet, wie ich als inzwischen mittelmäßig Erwachsener heutzutage bin, hätte ich als Gesprächspartner, der zudem manchmal Zeitung liest und da von vielerlei modernen Spielarten des Menschlichen Kenntnis bekommt, diesem armen Menschen sicher geantwortet: »Och, du ...: da gibts doch Hermaphroditen, Zwitter, Metrosexuelle, Transsexuelle ... Mach dir nichts draus, dass du irgendwie normal bist, du passt eben einfach nicht ins Profil ...« Was er aber sicher nicht als tröstlich empfunden hätte. (Zumal: Man muss sich arbeitssuchend heutzutage eh schon auf merkwürdigste Weisen verbiegen. Dabei sich auch noch über die persönliche sexuelle Orientierung Gedanken machen zu müssen, das scheint doch wohl endgültig zuviel verlangt.)

Aber das führt jetzt auch eher auf Abwege. Was ich nämlich eigentlich zeigen wollte: In Regensburg kennt man eine Variation dieser Geschichte, und die meint man dort offenbar ernst:



Wen genau spricht dieses Schild an? Ich kann mir, vor lauter humanistischer Bildung, nur einen denken, der wirklich alles bei sich trägt. Atlas heißt der arme Mann. Und der würde sich sicherlich manchmal Entlastung wünschen (s. die Episode mit Herakles, aber das ist auch wieder ein anderes Thema).

Jedoch: Wie kommt man darauf, dass er das so dringend ausgerechnet in Regensburg mal tun wollen würde, dass man sich dort gezwungen sieht, prophylaktisch schon mal Verbotsschilder für ihn aufzuhängen?!

Schwerer Notfall

Wer sich, wie ich, immer schon mal gefragt hat, was einen schweren Notfall eigentlich ausmacht, damit ein Notfall diese Qualifizierung verdient, und wonach sich die Schwere eines Notfalls eigentlich bemisst, findet Lösung vorm Eingang (von der Bahnhofsseite her) des Arbeitsamts – Schullijung: der »Agentur für Arbeit« in Göttingen

Das ist offenbar wirklich ganz wörtlich zu verstehen!

Nach Gewicht!



Nun müsste ich nur noch wen finden, der mir erklärt, auf welcher Art Waage man sowas feststellt. Oder überlässt man das dann in irgendwelchem Zweifel einfach der normativen Kraft des Faktischen: Bei einem Notfall von, sagen wir mal, sechs Tonnen Gesamtgewicht bricht eben hinter dem Schild die Decke der Tiefgarage ein, und dann sieht man schon, dass dieser schwerer war?

Kann aber nicht sein; was sollte dann die Warnung erst? Denn um dem Sinn oder Inhalt dieses Schilds nachzukommen, müsste man ja vorher wissen, wie viel Notfall man sich auf diesem Gelände leisten darf, und das widerspricht doch irgendwie dem Überraschungsmoment, das im Wort »Notfall« steckt.

Soll mir nochmal wer sagen, dass die Welt um uns nicht voller Wunder wäre!